Rustungsfabrik Richard B5

Anfang 1944 besaßen die Alliierten die Luftüberlegenheit über Deutschland und die großen Industriestädte waren fast täglichen Bombenangriffen ausgesetzt. Um sicherzustellen, dass die Produktion weiterging, wurden die wichtigsten Betriebe der deutschen Rüstungsindustrie in neu angelegte oder bereits bestehende Stollensysteme in Süddeutschland verlegt.

In der Tschechischen Republik begannen die Deutschen damit, die alte Lehmgrube in der Stadt Litoměřice auszubauen. Für diese Arbeiten wurde hier ein mit etwa 3.000 Mann belegtes Lager für Zwangsarbeiter aus dem KZ Flossenbürg errichtet. Nach Abschluss der Arbeiten gab es drei unterirdische Fabrikanlagen, die durch einen Tunnel miteinander verbunden waren.

Im Dezember 1944 war „Richard I“ zu einem Drittel fertig gestellt, weit genug, damit die Auto Union AG mit der Fertigung von Motoren begann. Die Motoren waren in erster Linie für den großen Tiger-Panzer bestimmt. Mit einer Fläche von 20.000 m² und 30 km. Gängen war „Richard I“ eine der größten Stollenanlagen in Europa geworden.

„Richard II“ sollte 15.000 m² groß und von der Firma Osram genutzt werden, die elektrische Lampen für Funkmesssysteme und für die Raketenforschung herstellte. „Richard III“, das eine große Raffinerie für die Herstellung von synthetischem Treibstoff beherbergen sollte, wurde nie in Betrieb genommen.

Es gibt Viele, die glauben, dass die Deutschen kurz vor Kriegsende Teil der Stollenanlage verschlossen, um Geheimprojekte vor der vorrückenden Roten Armee zu verstecken. Um die unterirdischen Fabrikanlagen bei Leitmeritz ranken sich viele Geheimnisse.

Viele glauben, dass sich in den Stollen noch immer Kunstschätze aus ganz Europa befinden, darunter auch das Bernsteinzimmer aus Leningrad. Viele Schatzjäger haben natürlich versucht, diese Kunstwerke zu lokalisieren, aber ein großer Teil der Stollenanlage ist noch immer mit Sprengfallen versehen. 1962 kam es sogar zu einem Zwischenfall, bei dem durch eine ausgelöste Mine eine kleine Menge Giftgas freigesetzt wurde.

Seit 1964 wird der unterirdische Raum, der einmal „Richard II“ war, für die Lagerung von radioaktivem Material aus Medizin, Forschung und Industrie genutzt. Das Lager hat eine Kapazität von 8.400 m² und soll bis 2070 in Betrieb bleiben.

Der einzige Überrest des Konzentrationslagers, das für 18.000 Zwangsarbeiter errichtet worden war, ist das Krematorium, das heute als Mahnmal der Erinnerung an die geschätzt 5.000 Toten hier erinnert.