Rüstungsfabrik Dinar

Die Výpustek Höhle in der Tschechischen Republik wurde im 18. Jahrhundert entdeckt und erforscht. Sie gehört zu den wenigen Stellen in Europa, an denen komplette Dinosaurier-Skelette ausgegraben wurden. 1920 wurde die Höhle im Zuge des Abbaus von Phosphatlehm stark erweitert und 1937 begann die tschechische Armee damit, die fast 2 km. lange Höhle in ein Munitionslager umzuwandeln.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebiet in das Deutsche Reich eingegliedert. 1944 hatte sich das Kriegsglück gegen Deutschen gewendet und die Alliierten besaßen die Lufthoheit über Deutschland, weshalb es zu systematischen Bombardierungen der großen deutschen Industriestädte kam. Um die Produktion dennoch aufrecht erhalten zu können, wurden die wichtigsten Teile der deutschen Rüstungsindustrie in unterirdische Anlagen in Süddeutschland verlegt.

Im Zuge dieser Verlagerung wurde die Höhle in Výpustek im Jahr 1944 mit einem Betonboden ausgestattet und erhielt Betonwände. Fast 1.500 Zwangsarbeiter und deutsche Techniker arbeiten täglich in dieser unterirdischen Fabrik und produzierten Flugzeugteile für die deutschen Auslasswerke. Die Fabrik, deren Betrieb bis Mai 1945 aufrecht erhalten werden konnte, erhielt den Decknamen „Dinar“. Beim Heranrücken der Roten Armee gaben die Deutschen die Fabrik auf; sie setzten beim Verlassen die Maschinen in Brand und sprengten den Tunneleingang.

Nach dem Krieg zog die tschechische Armee wieder hier ein, die die Höhle bis 2008 als zweites Hauptquartier nutzte. Heute kann die unterirdische Abnlage auf einer geführten Tour besichtigt werden.